Drei Sonaten stehen in diesem Programm einer großen Fantasie gegenüber. Was sie verbindet, ist ihre ausgeprägte Expressivität – jedes der Werke ist in einer Phase intensiver innerer oder äußerer Anspannung entstanden und trägt eine spürbare emotionale Dringlichkeit in sich.
Francis Poulenc schrieb seine Violinsonate während des Zweiten Weltkriegs und widmete sie dem spanischen Dichter Federico García Lorca, der wenige Jahre zuvor ermordet worden war. Der Ernst dieser Umstände ist in der Musik nicht zu überhören. Zugleich aber bleibt die
Sonate von großer Virtuosität geprägt – impulsiv, expressiv und voller kontrastierender Stimmungen.
Mit innerer Spannung und emotionalisiert hat auch Robert Schumann seine erste (aber doch zeitlich späte) Violinsonate innerhalb einiger weniger Tage niedergeschrieben. Diese Notwendigkeit und scheinbare Dringlichkeit schwingt in jedem Ton dieser Sonate mit und knüpft damit nahtlos an die Sonate von Poulenc an.
Mit feinen Linien gezeichnet, gar nicht robust und unglaublich farbig präsentiert sich Debussys Violinsonate nach der Pause. Umso erstaunlicher, da dieses Meisterwerk das letzte vollendete Werk des damals schon schwerkranken Komponisten war – ebenfalls komponiert unter widrigen Umständen des ersten Weltkriegs. Diese Dualität lässt dieses Werk noch interessanter erscheinen.
Den Abschluss bildet die große C-Dur Fantasie von Franz Schubert. Schubert der Liedkomponist, Schubert der Biedermeier? Er verwendet hier sein geliebtes eigenes Lied: „Sei mir gegrüßt“, das er in mehreren Variationen verändert. Doch der Eindruck täuscht – statt der kleinen Form erleben wir hier ein hochvirtuoses, kammermusikalisches Werk, das schlussendlich in einem strahlenden Finale aufgeht und beide Musiker technisch an die Grenzen bringt.

