Von wegen verstaubt: Mathis Lemke – der jüngste Heimatpfleger in NRW bringt frischen Wind nach Arrenkamp
Heimatpflege – das klingt oft nach alten Postkarten und vergilbten Geschichtsbüchern. Doch Mathis Lemke aus Stemwede zeigt, dass Heimatliebe jung und engagiert sein kann. Mit seinen 25 Jahren ist er der jüngste Heimatpfleger Nordrhein-Westfalens und will das Ehrenamt neu beleben, um die Dorfgemeinschaft zu stärken und die Zukunft von Arrenkamp aktiv mitzugestalten.
Ein Dorf ohne Mittelpunkt – und mittendrin Mathis Lemke
"Keine Kneipe, keinen Dorfmittelpunkt, keine Gehwege. Nur unsere Schützenhalle," beschreibt Lemke augenzwinkernd sein kleines Heimatdorf Arrenkamp. In der 200-Einwohner-Gemeinde von Stemwede, umgeben von Bauernhöfen und Feldern, findet er alles, was für ihn zur Heimat gehört. Freunde aus seiner Jugendzeit und Erinnerungen an Schützenfeste, auf denen er als Kinderkönig glänzte, verbinden ihn eng mit seinem Dorf.
Mathis ist bewusst geblieben, als viele seiner Altersgenossen in die Stadt gezogen sind. Stattdessen setzt er sich aktiv für seinen Heimatort ein, seit Herbst 2023 auch als offiziell ernannter Heimatpfleger – und das in einem Amt, das bislang hauptsächlich von älteren Menschen getragen wurde. Die rund 700 ehrenamtlichen Heimatpfleger in Westfalen zählen für ihn zu den ersten Ansprechpartnern in der Gemeinde, besonders bei alltäglichen Anliegen wie Müllentsorgung oder Instandhaltung öffentlicher Plätze.
Zwischen Postkarten, Projekten und Gemeinschaft
Bei seiner ersten Sitzung mit anderen Heimatpflegern der Region fühlte sich Mathis zunächst fehl am Platz. "Ich dachte, dieses ganze Postkartensammeln sei nichts für mich," erzählt er lachend. Doch er blieb, getrieben von der Überzeugung, dass Heimat erst wächst, wenn man sie aktiv gestaltet. Neben seiner Ausbildung zum Landwirt hat er immer wieder in der Region gearbeitet und sich für Geflügelzucht begeistert. Seine Eier verkauft er heute auf einem kleinen Hof direkt neben seinem Mietshaus – im Herzen des Funklochs von Arrenkamp.
Mathis ist sich sicher, dass die Bedeutung von Heimat nicht von Erinnerungen an Vergangenes abhängt, sondern von den Menschen und deren Zukunft. Ob Ratschläge zum Blühstreifen oder Organisieren von Helfern – Mathis will Menschen verbinden und sie zur Mitgestaltung motivieren. "Ich würde gerne allen Nachbarn die Frage stellen, was sie sich für unseren Ort wünschen," sagt er zu seinen Plänen, das Dorf neu zu vernetzen und den Austausch zu fördern.
Fürs Ehrenamt statt in die Politik
Auch wenn seine Aufgaben ein wenig an kommunalpolitische Arbeit erinnern, zieht es Mathis bewusst nicht in die Politik. "Kommunalpolitik kann auch wehtun; das ist ein dauerhafter Kampf. Am Ende erreiche ich so vielleicht weniger für den Ort." Statt sich mit Verwaltungsaufgaben zu belasten, möchte er einfach dort anpacken, wo es gebraucht wird – ohne Verpflichtungen und mit der Freiheit, eigene Ideen umzusetzen. Seine fünfjährige Amtszeit gibt ihm die Möglichkeit, ohne Druck Projekte zu starten und den Ort lebendiger zu gestalten.
Ein Funke, der strahlt – Lichter für die Weihnachtszeit
Zusammen mit den anderen Heimatpflegern wird Mathis bald wieder Lichter an der alten Mühle in Stemwede-Destel anbringen – eine Tradition, die seit Jahren die Weihnachtszeit einläutet. Die Lichter an den Mühlenflügeln, die er als Kind mit seiner Mutter sah, waren seine erste Begegnung mit dem Ehrenamt. Heute ist er derjenige, der die Tradition weiterführt und damit die Geschichte seiner Gemeinde neu schreibt.
Mathis Lemke zeigt, dass Heimatpflege mehr ist als die Pflege von Geschichte – sie ist die Pflege von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Und vielleicht ist genau das die Zukunft des Ehrenamts: jung, innovativ und voller Engagement.

